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Liebt mich mein Kind überhaupt?

  • Autorenbild: Barbara Wagner
    Barbara Wagner
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Das ist eine Frage, die mich in der Beratung oft berührt, weil so viel Liebe dahintersteckt und gleichzeitig so viel Verunsicherung. Man möchte einfach drücken, küssen, nah sein. Oma, Opa, Tante, Onkel, sie meinen es fast immer gut. Und wenn das Kind einer Umarmung oder bei einem Bussi zurückweicht, fühlt sich das für viele wie Ablehnung an, das kann wirklich wehtun.


Dahinter steht oft eine stille Frage: Spürt mein Kind überhaupt, dass ich es liebe?


Die Antwort ist ja. Nur braucht Liebe manchmal eine andere Sprache, um anzukommen, und genauso eine andere Sprache, um gezeigt zu werden.


Dabei geht es selten um die Umarmung an sich, sondern um alles, was daran unvorhersehbar ist. Ist die Person gerade warm oder kalt, riecht sie nach Parfum oder nach einem langen Tag, wie fest wird der Druck, wie lange dauert es. Was für viele Erwachsene Geborgenheit bedeutet, kann für neurodivergente Kinder körperlich unangenehm sein, manchmal sogar überwältigend. Das ist keine Ablehnung, das ist einfach zu viel auf einmal.

Was zeigt mir mein Kind eigentlich schon, ohne dass ich es merke?


Bevor man überlegt, was sich verändern lässt, lohnt sich zuerst der Blick auf das, was schon da ist. Kinder, die keine Umarmung wollen, zeigen trotzdem, dass sie sich sicher, gesehen und geschätzt fühlen, dass sie dankbar oder glücklich sind, nur oft nicht dort, wo wir hinschauen. Bleibt das Kind in meiner Nähe, auch ohne Körperkontakt? Erzählt es mir Dinge, die es sonst niemandem erzählt? Zeigt es mir etwas, auf das es stolz ist? Kommt es zu mir, wenn es überfordert ist, auch ohne Umarmung, sondern nur, damit ich da bin? Das sind echte Zeichen von Vertrauen, sie sehen nur anders aus als erwartet, und sie zu erkennen verändert oft schon sehr viel.


Liebe ankommen lassen heißt: die Sprache lernen, in beide Richtungen.


Zum einen geht es darum, herauszufinden, was das Kind selbst als Liebe erlebt. Oft sind es die kleinen Dinge: das Lieblingsessen ohne besonderen Anlass, Ruhe, wenn Ruhe gebraucht wird, Verständnis, bevor man erklärt oder korrigiert. Es muss keine Umarmung sein, manchmal reicht ein Finger, den man hinhält und das Kind tippt zurück, oder ein Luftbussi, das hin- und hergeht. Solche Rituale entstehen, wenn Eltern und Kind gemeinsam herausfinden, was sich für beide gut anfühlt.


Zum anderen dürfen auch Sie Nähe zeigen, auf Wegen, die für Sie beide in Ordnung sind. Ein kleiner Zettel in der Jausenbox. Das Lieblingseis, das einfach so im Kühlschrank wartet. Oder rechtzeitig erkennen, wenn es zu viel wird, und leise eine Lösung anbieten. Das Kind spürt dabei: Du siehst mich. Du hilfst mir. Da bin ich sicher.


Und der eigene Wunsch nach der Umarmung darf genauso da sein.


Manchmal sagt eine Mama oder ein Papa: Ich brauche diese Umarmung, ich will das spüren. Das ist völlig berechtigt, dieses Bedürfnis ist genauso echt wie das des Kindes nach Abstand. Es geht nicht darum, den eigenen Wunsch wegzustecken, sondern gemeinsam eine Alternative zu finden und langsam darauf hinzuarbeiten, wie eine solche Umarmung möglich werden könnte. So bleibt der eigene Wunsch sichtbar, ohne zum Druck für das Kind zu werden.


Andere Bezugspersonen einbeziehen.


Ein kurzes, ehrliches Gespräch hilft oft schon: Jeder Mensch ist anders, jeder darf mögen, was er mag und ablehnen, was sich nicht gut anfühlt. Das öffnet auch die Tür dafür, ihnen zu zeigen, wie ihre Liebe beim Kind wirklich ankommt und wie das Kind sie zurückgibt - vielleicht still, vielleicht indirekt, vielleicht einfach, indem es im Raum bleibt.


Und dann passiert es irgendwann oft von selbst.


Das Kind kommt von sich aus, lehnt sich an, nimmt die Hand, gibt ein Bussi, ohne dass jemand darum gebeten hat. Diese Momente sind klein und sie sind unbezahlbar.

Zum Mitnehmen

      Liebe kann man auch ohne Umarmung spüren und zeigen, in beide Richtungen.

      Mein Kind zeigt mir Vertrauen und Nähe oft schon, nur anders als erwartet.

      Es geht selten um die Nähe selbst, sondern um das Unvorhersehbare daran.

      Auch mein eigenes Bedürfnis nach Umarmung ist berechtigt, dafür darf ich eine passende Alternative suchen.

      Kleine Rituale wie ein Finger-Tippen oder ein Luftbussi sind genauso echte Nähe.

      Kinder, die sich sicher fühlen, kommen irgendwann von selbst.

 
 
 

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